In einer Welt am Abgrund:

Die stärkste Macht ist die Liebe

Vortrag zur Jahrestagung der Gesellschaft zur Ausbreitung des Evangeliums (GAE)
Augsburg, 14. September 2025

Bill Holler – GAE Geschäftsführer


Autoritäre Großmächte und globale Kriegsgefahr

Wir erleben aktuell eine dramatische Verschiebung der weltweiten Machtverhältnisse hin zu autoritärer Herrschaft. In Russland hat Präsident Putin jegliche demokratische Fassade abgelegt – der brutale Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt offen seine imperialen Ambitionen. Historisch will Putin nichts weniger als ein neues russisches Imperium aus Russland, Belarus und der Ukraine errichten, und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Dieser Krieg richtet sich nicht nur gegen die Ukraine, sondern gegen die gesamte freiheitliche Ordnung Europas. Wie deutlich formuliert wurde, geht es letztlich um eine Neuordnung Europas, wenn nicht sogar der Welt – das zeigt den Ernst der Lage.


In China bestimmt Xi Jinping seit seiner Ernennung als Staatspräsident auf Lebenszeit als Alleinherrscher den Kurs des Landes. Peking betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und scheut auch nicht vor Gewalt zurück, um die „Wiedervereinigung“ zu erzwingen. Als fundierter Kenner Chinas bin ich sicher, dass es bei Chinas Plänen nicht mehr um das Ob, sondern nur um das Wann und Wie eines Angriffs auf Taiwan geht. Es gilt als fast sicher, dass Xi Jinping zu gegebener Zeit militärisch zuschlagen wird – eine unheilvolle Parallele zu Putins Vorgehen in der Ukraine.


Indien, einst die größte Demokratie der Welt, entgleitet zunehmend dem demokratischen Lager. Unter Premier Modi erlebt das Land einen beispiellosen demokratischen Rückschritt. Internationale Beobachter stufen Indien inzwischen nur noch als „hybrides Regime“ ein – also weder voll demokratisch noch voll autokratisch. Freedom House hat Indien von „frei“ auf „teilweise frei“ herabgestuft. Die Regierung geht gegen Kritiker, Medien und Minderheiten vor, was zeigt: Auch Indien reiht sich in die globale autoritäre Welle ein.


Besonders erschütternd ist die Entwicklung in den USA. Dort hat sich in den letzten Jahren eine regelrecht faschistoide Politik Bahn gebrochen. Spätestens mit der erneuten Amtsübernahme Donald Trumps ist nach Einschätzung vieler Experten „eine neue Ära des Autoritarismus“ in den Vereinigten Staaten angebrochen. Unter einer radikalisierten republikanischen Partei werden staatliche Institutionen umgebaut, um Kritiker mundtot zu machen und autokratische Ideen durchzusetzen. Die liberale Demokratie, die seit dem Zweiten Weltkrieg die westliche Welt prägte, droht in Amerika einer nationalistischen, anti-pluralistischen Ideologie zu weichen. Diese Tendenzen – eine Mischung aus Demokratieverachtung, Rechtsruck und teils offener Gewaltbereitschaft – lassen sich durchaus als „faschistische Agenda“ beschreiben.

Angesichts dieser Entwicklungen verwundert es nicht, dass die Welt sich an der Schwelle zu einem neuen großen Konflikt fühlt. Wir befinden uns faktisch in einer Vorkriegszeit. Die großen Mächte rüsten auf und schrecken immer weniger vor Konfrontation zurück. Die Demokratie hat global an Boden verloren: Weniger als 8% der Menschen leben noch in vollwertigen Demokratien, während fast 40% bereits unter autoritärer Herrschaft stehen – und dieser Anteil steigt stetig. Zugleich mehren sich weltweit bewaffnete Konflikte. Friedliche Lösungen scheinen in immer weitere Ferne zu rücken, die Demokratien der Welt wirken ohnmächtig, neue Kriege zu verhindern.


Die derzeitigen Kriege – ob in der Ukraine, in anderen Krisenregionen oder drohend um Taiwan – können sich jederzeit zu viel größeren Flächenbränden ausweiten. Russland zeigt in der Ukraine, was es will: Gebietsgewinne um jeden Preis, Zerschlagung einer freiheitlichen Ordnung direkt vor unserer Haustür. Und China steht bereit, ein ähnliches Szenario in Ostasien zu entfesseln. Die Welt bewegt sich gefährlich nahe an einen Abgrund; die internationale Lage ist so angespannt wie seit Jahrzehnten nicht mehr.


Was bedeutet das für uns?

Angesichts dieser düsteren globalen Lage fragen wir uns unweigerlich: Was hat all das mit uns zu tun? Können wir hier überhaupt etwas ausrichten, während die Großmächte offensichtlich Richtung Konfrontation marschieren? Es ist verständlich, wenn viele Menschen sich machtlos oder entmutigt fühlen. Die Nachrichten sind voller Gewalt, Drohgebärden und Katastrophenmeldungen – da kann leicht das Gefühl entstehen, wir als Einzelne oder als kleine Gemeinschaft hätten keinen Einfluss auf das Weltgeschehen.


Doch dieser Eindruck trügt! Wir sind keineswegs machtlos. Im Gegenteil: Gerade in Zeiten der Krise kommt es darauf an, was wir im Kleinen tun. Keine Nation und keine Gesellschaft besteht nur aus Regierungen – sie besteht aus Menschen, aus uns allen. Die großen politischen Entwicklungen mögen über unseren Köpfen entschieden werden, aber wie wir hier vor Ort leben, handeln und miteinander umgehen, das können wir gestalten. Unsere Gemeinschaft, unsere Stadt, unser Land – all das prägen wir durch unsere Haltung und Taten mit.


Als Christen innerhalb der GAE haben wir sogar einen besonderen Auftrag in turbulenten Zeiten. Wir stehen für bestimmte Werte, die jetzt umso wichtiger sind: für Nächstenliebe, für Frieden, für Gerechtigkeit, für Hoffnung. Es kommt darauf an, dass wir Licht in der Dunkelheit sind. Jesus selbst spricht uns diese Identität zu: „Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“.


Das heißt: Auch wenn die Welt dunkel erscheint, dürfen wir unser Licht nicht unter den Scheffel stellen. Im Kleinen – in unserer Nachbarschaft, unseren Gemeinden, an unseren Arbeitsplätzen – können wir Gutes tun, können wir anders handeln als der raue Geist der Zeit. Wir können Hoffnung verbreiten, wo Angst herrscht. Wir können für Frieden einstehen, wo andere laut nach Vergeltung rufen. Wir können Hilfe und Trost spenden, wo Not und Verzweiflung um sich greifen. Jede und jeder von uns hat Einfluss darauf, wie die Atmosphäre um uns herum ist.


Gerade in Deutschland haben wir nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren, wie aus Trümmern durch Versöhnung und gemeinsamen Wiederaufbau Neues wachsen konnte. Unsere Gesellschaft ist nicht statisch – sie wird von Menschen gemacht. Wenn genug Menschen sich von Hass und Angst nicht anstecken lassen, sondern Menschlichkeit und Mitgefühl leben, dann verändert sich die Gesellschaft zum Besseren. Daran mitzuwirken ist unsere Verantwortung und unsere Chance, selbst in dunklen Zeiten.


Wir können Gesellschaft verändern – ein Beispiel

Es gibt unzählige Beispiele, wie gelebte Nächstenliebe und Engagement im Kleinen Großes bewirken können. Gern möchte ich ein aktuelles persönliches Erlebnis teilen, das mir neuen Mut gemacht hat. Ein guter Bekannter – nennen wir ihn Max, ein junger Mann aus Berlin – hat mir vor Kurzem etwas Bemerkenswertes erzählt. Er bezeichnete sich lange Zeit offen als Atheist. Weder er noch seine Frau hatten viel für den Glauben übrig; im Gegenteil, sie standen Religion eher skeptisch und distanziert gegenüber.


Nun berichtete Max aber, dass er dennoch schon ein paar Mal mit seiner Frau aus Neugier und Gelegenheit eine Kirche in Berlin besucht hat. Warum? Nicht wegen irgendwelcher großartigen Predigten oder dogmatischer Überzeugungsarbeit. Nein – sie haben erlebt, wie sich die Menschen in dieser Kirchengemeinde aufrichtig um andere kümmern. Der Pfarrer, der Kirchenvorstand, viele Aktive dort – sie engagieren sich sichtbar und herzlich für die Menschen im Viertel, für Hilfsbedürftige, für Ausgegrenzte. Max sagte mir: In dieser Kirche habe ich zum ersten Mal gespürt, dass Kirche wirklich nah bei den Menschen sein kann. Er hat dort Wärme, Annahme und aktive Hilfe erlebt – und vor allem kein hämmerndes Gerede von Schuld, Sühne oder Verdammnis. Statt Verurteilung haben er und seine Frau Liebe und Unterstützung erfahren.


Diese Erfahrung hat Max tief berührt. Es war etwas völlig Unerwartetes für ihn. Und es hat bereits ein Umdenken in ihm ausgelöst: Er nennt sich selbst nicht mehr so vehement Atheist wie früher. Er hat erkannt, dass Glaube – oder sagen wir besser: gelebter christlicher Glaube – etwas Positives und Relevantes sein kann. Nicht weil ihn jemand argumentativ „überzeugt“ hätte, sondern weil er ein lebendiges Beispiel gesehen hat. Eine Gemeinde, die nicht zuerst fragt „Bist du einer von uns?“, sondern die einfach für alle da ist, ohne Vorbehalte.


Mich persönlich hat Max’ Geschichte sehr gefreut und bewegt. Sie bestätigt, was Jesus uns verheißen hat: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“. Genau das ist in jener Berliner Kirche geschehen – die Menschen dort haben durch ihre Liebe und ihr gutes Beispiel Zeugnis abgelegt, ohne viele Worte. Und ein ehemals atheistisch eingestellter junger Mann beginnt, sein hartes Urteil über den Glauben zu revidieren. Warum? Weil er gesehen hat, wie Liebe praktisch gelebt wird.


Ein anderes Beispiel stammt aus unserer GAE. Ihr wisst sicherlich dass wir seit nunmehr schon 6 Jahren an jedem Heiligabend in Neumarkt ein besonderes Fest für Menschen machen die ansonsten alleine wären. Unsere Aktion mit dem Namen „Gemeinsam statt einsam“ bringt Menschen zusammen, um gerade an diesem Abend gute Gemeinschaft zu haben. Wir freuen uns an der Gemeinschaft mit ihnen, wir trinken und essen miteinander, alle Kinder bekommen Geschenke. Die Weihnachtsgeschichte gibt es natürlich auch, aber insbesondere spüren die Menschen wie sehr wir uns um sie kümmern, damit sie diesen Abend nicht alleine verbringen müssen. Kirchenzugehörigkeit und Konfession spielen an diesem Abend überhaupt keine Rolle sondern die gelebte Gemeinschaft und Liebe untereinander.


Stellen wir uns vor, wir alle – die christliche Gemeinschaft insgesamt – würden so sichtbar und spürbar zu einem Segen für unsere Mitmenschen! Welche Kraft der Veränderung würde davon ausgehen! Wenn wir Christen insgesamt derart gute Beispiele wären, wie Max es erlebt hat, könnten wir die Atmosphäre in unserem Land nachhaltig beeinflussen. Die Gesellschaft würde Christen nicht mehr als Moralapostel oder weltfremde Prediger wahrnehmen, sondern als das, was Jesus wollte: als Salz der Erde und Licht der Welt, die durch gute Werke und Liebe den Vater im Himmel verherrlichen.


Dieses Beispiel ermutigt uns: Gesellschaft verändern beginnt im Kleinen. Jeder Akt der Nächstenliebe, jedes Zeichen der Versöhnung, jede solidarische Tat hat Wirkung. Es spricht sich herum, es macht einen Unterschied – zumindest für den einzelnen Menschen, oft aber weit darüber hinaus. Wir sehen: Wir können etwas tun. Wir sind nicht ohnmächtig ausgeliefert, solange wir bereit sind, im Alltag für das Gute einzustehen.


Die stärksten Waffen: Liebe, Vergebung, Hoffnung und Glaube

Angesichts von Panzern, Raketen und hasserfüllter Rhetorik klingt es vielleicht naiv, von Liebe und Vergebung als „Waffen“ zu sprechen. Doch genau das sind die mächtigsten Werkzeuge, die wir haben. Der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. hat es unvergesslich auf den Punkt gebracht: „Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben; nur Licht kann das. Hass kann Hass nicht vertreiben; nur Liebe kann das.“. Diese Worte klingen wie ein Echo des Evangeliums. Sie erinnern uns daran, dass man das Böse nicht mit noch mehr Bösem besiegen kann – sondern nur mit dem Guten. In der Bibel finden wir genau dieselbe Aufforderung: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm 12,21).




Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass unsere Stärke nicht in Gewalt oder Machtspielen liegt, sondern in unserer Fähigkeit zu lieben, zu vergeben, zu hoffen und zu glauben. Diese vier – Liebe, Vergebung, Hoffnung, Glaube – nenne ich bewusst unsere „Waffen“, unsere Instrumente, mit denen wir kämpfen, aber anders kämpfen als die Welt es tut. Schauen wir sie uns einzeln an:


  • Liebe: Die Liebe steht an erster Stelle. Sie ist der Kern unserer Botschaft. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“, schreibt der Apostel Paulus. Wahre Liebe – agape, die selbstlose Nächstenliebe – sucht nicht das Ihre, sie urteilt nicht nach Verdiensten, sondern schenkt sich dem Nächsten. Mit Liebe können wir Herzen erreichen, die verschlossen schienen. Liebe hat die Kraft, Feindschaft in Freundschaft zu verwandeln. Jesus gebietet uns sogar, unsere Feinde zu lieben: „Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.“. Das klingt radikal – und das ist es auch. Doch die Geschichte hat gezeigt, dass solch radikale Liebe tatsächlich Feindschaften überwindet. Denken wir an die Versöhnung zwischen ehemaligen Kriegsgegnern oder an Menschen wie Mutter Teresa, die mit Liebe die Herzen der Ärmsten erreicht hat. Liebe entwaffnet den Gegner, weil sie ihn nicht mehr als Gegner behandelt. Sie ist unsere stärkste Waffe gegen den Hass.
  • Vergebung: Ohne Vergebung gibt es keinen dauerhaften Frieden – weder in der Welt noch in unseren eigenen Herzen. Vergebung durchbricht den Teufelskreis aus Vergeltung und Verbitterung. „Vergebt einander, so wie Gott euch durch Christus vergeben hat“, heißt es im Epheserbrief. Wir haben selbst Vergebung erfahren und dürfen sie darum weitergeben. Das bedeutet nicht, Unrecht gutzuheißen oder zu verharmlosen. Es bedeutet aber, auf Rache zu verzichten und dem anderen die Chance zu geben, neu anzufangen. Vergebung ist befreiend – für den, der vergibt, und für den, der Vergebung empfängt. Sie nimmt der Vergangenheit die Macht über die Zukunft. In großen Konflikten kann Vergebung Erstaunliches bewirken: Man denke an die Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika, wo nach dem Ende der Apartheid durch Vergebung Heilung begann. Aber auch im Kleinen, in unseren Familien und Gemeinden, schafft Vergebung Raum für Neubeginn und Frieden.
  • Hoffnung: In dunklen Zeiten ist die Hoffnung wie ein Lichtstrahl, der uns den Weg weist. Unsere Hoffnung gründet nicht auf naivem Optimismus, sondern auf Gottes Zusagen. Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit Freude und Frieden im Glauben, damit ihr überreich seid in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes (Röm 15,13) – dieser Segenswunsch erinnert uns, dass christliche Hoffnung eine kraftvolle Realität ist. Hoffnung gibt uns Ausdauer und Mut, wenn andere verzagen. Sie ist wie ein Anker der Seele (Hebr 6,19), festgemacht in Gottes Treue. Wer hofft, der sieht schon im Voraus das Gute kommen – und arbeitet darauf hin. Unsere Hoffnung sagt uns: Kein Übel dieser Welt ist endgültig, kein Krieg wird das letzte Wort haben, denn Gott hält die Geschichte in seiner Hand. Diese Hoffnung steckt auch andere an. Ein hoffnungsvoller Mensch kann in Mitmenschen neuen Lebensmut wecken. Indem wir trotz allem Hoffnungszeichen setzen – zum Beispiel wieder aufbauen, wo Zerstörung war; trösten, wo Trauer ist; oder für Gerechtigkeit eintreten, wo Resignation herrscht – widersprechen wir der Dunkelheit. Hoffnung ist ein Akt des Widerstands gegen die Verzweiflung der Welt.
  • Glaube: Schließlich ist da unser Glaube – das Vertrauen auf Gott. Der erste Johannesbrief macht eine kühne Aussage: „Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“. Was für ein kraftvolles Wort! Unser Glaube verbindet uns mit der Macht Gottes, die letztlich größer ist als alle Mächte der Welt. Durch den Glauben sehen wir hinter die sichtbaren Umstände. Wir wissen: Gott hat in Jesus Christus bereits den entscheidenden Sieg errungen – über Sünde, Tod und Teufel. Diese Welt mag toben und wüten, doch Jesus ist der Herr, gestern, heute und in Ewigkeit. Im Glauben halten wir daran fest, dass Gottes Reich kommen wird, dass Gerechtigkeit und Liebe am Ende triumphieren. Dieser Glaube gibt uns die Freiheit, furchtlos zu bleiben, wo andere Angst haben. „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2 Tim 1,7). Mit diesem Glauben können wir auch Risiken eingehen im Dienst am Nächsten, denn wir verlassen uns auf Gottes Beistand. Der Glaube schaut über die aktuellen Schrecken hinaus auf Gottes Verheißungen. Er ist das Fundament, auf dem die anderen „Waffen“ ruhen – denn ohne Glauben wären Liebe, Vergebung und Hoffnung nur edle Ideen, aber keine gelebte Realität. Durch den Glauben werden sie wirksam.

Diese vier – Liebe, Vergebung, Hoffnung, Glaube – sind unsere Antwort auf die Bedrohungen der Zeit. Sie mögen auf den ersten Blick schwach erscheinen gegenüber den Panzern, Propagandamaschinen und finanziellen Machtmitteln der Welt. Aber in Wirklichkeit sind sie stärker. „Hass kann Hass nicht vertreiben; nur Liebe kann das.“. Dieses Wort von Martin Luther King haben wir oben zitiert. Denken wir darüber nach: Hass und Gewalt multiplizieren sich nur, wenn man ihnen auf die gleiche Weise begegnet. Man kann Feuer nicht mit Feuer löschen – man braucht Wasser. Genauso kann man das „Feuer“ des Bösen nur mit dem „Wasser“ des Guten ersticken. Liebe und Vergebung entziehen dem Hass den Brennstoff. Hoffnung und Glaube ersetzen die lähmende Angst durch Ziel und Zuversicht.


Wir haben diese Waffen vielleicht zu lange als schwach angesehen, weil sie keine sofortigen, lauten Erfolge vorweisen. Aber ihre Wirkung ist tiefgreifend und nachhaltig. Liebe gewinnt Herzen, Vergebung beendet Generationenfehden, Hoffnung trägt durch Leid hindurch, Glaube versetzt Berge – in Gottes Kraft. Jesus selbst hat am Kreuz scheinbar schwach gewirkt und doch durch Liebe und Vergebung die mächtigste Wendung der Geschichte bewirkt: „Vater, vergib ihnen“, betete er selbst für seine Feinde am Kreuz (Lk 23,34). Und diese Liebe hat letztlich den Sieg davongetragen – Ostern folgte auf Karfreitag.


Zum Abschluss lasst mich sagen: Ja, die Welt steht an einem gefährlichen Abgrund. Aber wir müssen nicht in Schrecken erstarren. Wir haben andere Waffen als die Welt. Nutzen wir sie! Setzen wir der Gewalt unseren Frieden entgegen, dem Hass unsere Liebe, der Rachsucht unsere Vergebung, der Verzweiflung unsere Hoffnung, der Lüge unser treues Festhalten am Glauben. So kämpfen wir – aber nicht mit den Mitteln der Finsternis, sondern mit den Waffen des Lichts.


Es beginnt bei jedem Einzelnen von uns. Vielleicht können wir keinen Krieg allein stoppen – aber wir können in unserem Umfeld den Unterschied machen. Wenn wir uns von Gottes Geist leiten lassen, werden wir zu Botschaftern der Versöhnung und Lichtträgern in dieser dunklen Welt. Und wer weiß: Oft haben gerade kleine mutige Taten im Namen der Liebe eine Lawine des Guten ausgelöst.


Lassen wir uns also nicht entmutigen. Wir können gestalten. Wir können Gesellschaft verändern. Gott selbst steht uns dabei bei. Vertrauen wir darauf, dass am Ende „Glaube, Hoffnung und Liebe“ bleiben – und dass die Liebe die größte Macht von allen ist.



Wach auf, Kirche! - Ein Aufruf, dem Apatheismus mutig zu begegnen


Liebe Freunde der GAE,

vielleicht kennen Sie das auch:
Sie sitzen beim Abendessen mit Freunden, in einem Meeting oder bei einer Familienfeier. Die Gespräche drehen sich um Politik, Klima, Wirtschaft – aber über Gott wird nicht gesprochen. Und wenn doch einmal jemand vorsichtig erwähnt: „Ich glaube…“, dann herrscht schnell betretenes Schweigen, ein Themawechsel, ein spöttisches Lächeln oder der Satz: „Ach komm, das ist doch heute nicht mehr wichtig.“


So sieht er aus, dieser neue, schleichende Trend unserer Zeit: der Apatheismus.

Nicht Hass auf Gott. Nicht wütender Atheismus.
Sondern ein müdes, gleichgültiges „Ist mir egal“.


Wo wir stehen – und warum das gefährlicher ist als jede Anfeindung

Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der der Glaube bekämpft wird.
Wir leben in einer Zeit, in der der Glaube
keine Rolle mehr spielt.

Kein Mensch ruft mehr nach Gott. Kein Mensch wartet mehr auf Kirche.
Viele Menschen leben heute ganz ohne Glauben –
und merken es nicht einmal.


Ist das das Ende? Nein. Es ist unsere größte Herausforderung. Und – wenn wir es wagen zu sehen – unsere größte Chance.


Beispiele aus dem Alltag – Wo wir gefordert sind, aufzustehen

  • Im Freundeskreis:
    Wenn jemand sagt: „Ach, jeder soll glauben, was er will – oder eben gar nichts.“
    Hier dürfen wir ein Zeichen setzen. Nicht rechthaberisch, sondern persönlich, als Beispiel:
    „Für mich ist der Glaube die Quelle meiner Hoffnung. Er gibt meinem Leben Tiefe.“
  • In der Familie:
    Wenn Kinder oder Enkel sagen: „Kirche? Die brauch ich nicht.“
    Dann können wir erzählen, warum uns unser Glaube trägt.
    Wie uns Jesus in dunklen Stunden Hoffnung gegeben hat.
    Wie Gebet uns schon oft Frieden ins Herz gelegt hat.
  • Im Beruf:
    Wenn Kollegen über „den Laden Kirche“ lästern.
    Dann können wir sagen: „Ja, es gibt Missstände – aber der Glaube an Jesus hat mein Herz verändert.“
  • In der Gesellschaft:
    Wenn die Welt laut ist mit allem Möglichen – aber still, wenn es um Gott geht.
    Dann können wir
    unüberhörbar werden, indem wir einfach leben, was wir glauben:
    Indem wir Hoffnung schenken, statt zu jammern.
    Indem wir helfen, wo andere wegsehen.
    Indem wir für Menschen beten, die sich längst selbst aufgegeben haben.


Einigkeit ist das stärkste Zeugnis

Jesus selbst hat es gesagt:
„Alle sollen eins sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Johannes 17,21)

Wir Christen stehen oft getrennt da:

  • Die einen evangelisch, die anderen katholisch.
  • Die einen freikirchlich, die anderen landeskirchlich.
  • Die einen liberal, die anderen konservativ.

Doch wer soll glauben, dass Gott die Welt liebt,
wenn wir uns nicht einmal untereinander lieben?

Einigkeit heißt nicht, alles gleich zu machen.
Einigkeit heißt, gemeinsam Zeugnis zu geben, dass Jesus lebt – trotz unserer Unterschiede.


Die Zeit zu handeln ist jetzt – nicht morgen

Wir dürfen nicht länger zuschauen, wie der Apatheismus alles zum Schweigen bringt.
Wir dürfen nicht länger glauben, es würde sich irgendwann von selbst wieder ändern.

Die Zeit zu handeln ist jetzt.

  • In unseren Gemeinden.
  • In unseren Familien.
  • In unserem eigenen Herzen.

Wie können wir das tun? Hier einige Ideen für jeden von uns:

  1. Beginnen wir, für unsere Nachbarn zu beten – auch wenn sie uns vielleicht gleichgültig erscheinen.
  2. Laden wir Menschen bewusst zu kleinen, offenen Gesprächsrunden ein, wo sie Fragen stellen dürfen, ohne Angst vor einer Predigt haben zu müssen.
  3. Fangen wir an, miteinander statt übereinander zu reden, wenn es um andere Konfessionen geht.
  4. Suchen wir die kleinen, ehrlichen Gespräche im Alltag, statt auf den großen Durchbruch zu warten.
  5. Hören wir auf, uns zu schämen für unseren Glauben. Er ist kein Relikt von gestern, sondern die lebendige Hoffnung von heute.
  6. 

Lasst uns gemeinsam aufstehen – sichtbar, hörbar, erfahrbar

Lassen wir uns nicht lähmen.
Lassen wir uns neu rufen, Salz und Licht zu sein.
Nicht allein, sondern gemeinsam in christlicher Einigkeit.

Gott hat uns nicht vergessen.
Er wartet darauf, dass wir aufstehen und sein Licht in diese Welt tragen.

Lassen wir uns darauf ein. Heute. Jetzt. Gemeinsam.


Herzlich im Namen der Gesellschaft zur Ausbreitung des Evangeliums e.V.

Bill Holler
Vorsitzender der GAE

Die GAE wurde bereits im Jahr 1900 in Eisenach gegründet. Damit ist sie nun seit 120 Jahren in der Verkündigung tätig. 

Sie hat die Aufgabe, das Evangelium vom Heil in Jesus Christus, von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott den Menschen bekannt zu machen. 

Evangelium des Johannes Kapitel 15 Vers 8:
"Dadurch ist mein Vater verherrlicht, dass ihr reichlich Frucht bringt und euch als meine Jünger erweist."

Wir wollen dazu beitragen, dass die Frohe Botschaft des Evangeliums mit Freude und Begeisterung anderen Menschen weitergegeben wird. 
Uns vereint die Aufgabe, die Jesus seinen Aposteln in Matthäus Kapitel 28 gegeben hat. 
Wir wollen mit daran wirken, dass Menschen diese Botschaft annehmen, selbst zu Jüngern werden und sich damit dieser Aufgabe anschließen: 
Jesus Christus spricht: 
»Mir ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden verliehen. Darum geht hin und macht alle Völker zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!«
Evangelium des Matthäus, Kapitel 28, Verse 19-20
In Matthäus 28,19-20 sehen wir, dass “Jünger machen” mit der Aufgabe, diese zu lehren, zusammenhängt. Um diesen Lehrauftrag wollen wir uns annehmen und damit engagierten Christen helfen, nicht nur selbst Jüngerschaft zu leben, sondern auch anderen Menschen zu helfen, selbst zum Jünger zu werden. 

Was bedeutet Glaube für mich?

Bill Holler - Vorsitzender der GAE